Geschlossene Gesellschaft


Drama von Jean-Paul Sartre. Inszenierung von Franz Eggstein

Ein Raum in der Hölle

Nach und nach werden vom „Höllenbutler“ drei Personen in diesen Raum geführt. Ein Mann und zwei Frauen. Alle erwarten „Höllenqualen“, Feuer, Folter und noch Schlimmeres. Aber nichts dergleichen passiert. Sie sind einfach da, im Raum, den sie nicht verlassen können. Sie kennen sich nicht, sie haben sich auch in ihrem Erdenleben nie getroffen. Und sie sind vom Charakter und vom Temperament her total verschieden. Warum also hat man sie in drei Teufels Namen hier in diesem Raum zusammengeführt?

Die Hölle, das sind die anderen!

Das ist der Ausganspunkt des Einakters, den Jean-Paul-Sartre 1944 schrieb. In seinem Text zur „Geschlossenen Gesellschaft“ schreibt er:

„Es gibt eine Menge Leute auf der Welt, die in der Hölle sind, weil sie zu sehr vom Urteil anderer abhängen.“

Das galt zu Sartres Zeiten, das gilt aber heute in den Zeiten von Social Media noch sehr viel mehr. Weil sich die Zahl derjenigen, von deren Urteil Menschen abhängen, potenziert hat. Wie viele Likes bekomme ich? Wie toll finden mich andere, meine Posts, meine Fotos? Und wie schlimm sind Shitstorms? Die „Geschlossene Gesellschaft“ ist heute aktueller denn je. Wer sich auch in der virtuellen Welt zu sehr vom Urteil anderer abhängig macht, lebt in beiden Welten – der realen und der virtuellen – in der Hölle.

,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert