Arbeiten und Aufgaben von Regiesseur:innen (Teil 3)

Franz Eggsteins Kommentar

Franz Eggstein sprach mit Schüler:innen über die Regie im Amateurtheater. Im dritten Teil spricht er über die Aufgaben von Regiesseur:innen und den Arbeitsprozess bis zum fertigen Stück.

Was sind deine Aufgaben während einer Probe und außerhalb der Proben?

Einiges habe ich bereits beantwortet. Deshalb hier kurz das Wesentliche:

Zunächst muss ich vor Probenbeginn ein Stück finden, das für mich selbst so interessant ist, dass ich es auf die Bühne bringen will. Oder ich brauche eine Idee, um die herum ich ein Stück inszenieren möchte und dann suche ich Material zu dieser Inszenierungsidee.


Am Anfang steht also eine Idee. Dann folgt die Suche nach einem Stück oder nach Material, um aus der Idee ein Stück zu machen. Danach beginnt die Bearbeitung des Stückes, bzw. des Materials.

Wenn man mit einem Dramaturg:innen zusammenarbeitet, kann man das zusammen machen, wenn nicht, müssen es die Regisseur:innen alleine tun. Ähnlich ist es mit dem Bühnenbild. Man kann es selbst entwerfen, oder mit Bühnenbildner:innen zusammenarbeiten, die das machen. Es folgt die Zusammenstellung des Ensembles. Man versucht möglichst Schauspieler:innen zu finden, die auf die jeweiligen Rollen passen. Oder die so variabel spielen können, dass sie eine große Bandbreite an Rollen abdecken.

Die Arbeit während der Proben

Zunächst muss ich den Schauspieler:innen das Inszenierungskonzept so vermitteln, dass es für sie verständlich und einleuchtend ist.
Regisseur:innen müssen ein positives Klima schaffen, um gute und erfolgreiche Proben zu ermöglichen. Die Schauspieler:innen müssen Spaß und Freude an ihrer Arbeit haben. Dabei ist es wichtig, den Schauspieler:innen auch bei der Rollensuche zu helfen. Es geht darum sie zu unterstützen, wenn es nötig ist und mit ihnen immer wieder über ihre Rolleninterpretation im Gesamtzusammenhang des Stückes zu sprechen. Dabei ist darauf zu achten, dass der „Rote Faden“, die Inszenierungsidee, nicht verloren geht oder nicht mehr sichtbar ist.

Die Regie muss führen können

Pension Schöller - Franz Eggstein bei den Proben
Franz gibt Anweisungen während der Probe – Foto: Oliver Hahn

Regisseur:innen müssen das Ensemble führen. Dabei sollten sie darauf achten, Animositäten unter den Schauspieler:innen möglichst nicht entstehen zu lassen und wenn doch, zu versuchen, einen Ausgleich zu finden. Je größer ein Ensemble ist, desto mehr Reibungsflächen gibt es und desto mehr ist Führungskunst gefragt. Möglichst viele kreative Ideen zur Inszenierung zu haben, auch solche die spontan im Augenblick der Probe entstehen, ist ebenso wichtig. Ideen der Schauspieler:innen zuzulassen; abwägen zu können, ob sie für die Inszenierungsidee verwertbar sind und wenn ja, sie einzubauen.
Die Regie muss die Schauspieler:innen während der Arbeit ermutigen auch eigene Ideen zu sagen und auszuprobieren. Und ganz wichtig: Niemals den Gesamtrahmen aus den Augen verlieren, auch dann nicht, wenn wild drauflos improvisiert wird

Natürlich endet die gedankliche Beschäftigung mit einem Stück während des Inszenierungszeitraums für Regisseur:innen nicht, wenn sie die Tür des Theaters hinter sich zumachen. Das Stück ist im Kopf eigentlich immer präsent und es entstehen immer wieder andere Ideen. Selbst die Inszenierungsidee kann während der Proben noch modifiziert werden und sollte sich herausstellen, dass sie nicht trägt, muss ich den Mut haben, sie zu ändern. So wie Schriftsteller:innen oft sagen, dass sie mit ihren Romanfiguren abends zu Bette gehen und mit ihnen zusammen morgens wieder aufstehen, ist es auch bei der Regie. Das Stück und seine Figuren sind während der Probenzeit ständige Begleiter.

Um was müssen sich Regisseur:innen alles kümmern?

Sie sind generell dafür verantwortlich, dass das Stück in Szene gesetzt, also auf die Bühne gebracht wird. Und sie haben die dafür notwendigen Vorarbeiten zu erledigen: Mit welchen Dramaturg:innen und mit welchen Bühnenbildner:innen arbeitet sie zusammen? Falls Videokunst vorgesehen ist, wer macht die Video-Choreographie? Das gleiche gilt für Tänze und Gesang. Wer ist für die Technik verantwortlich? Diese Dinge müssen möglichst im Vorfeld abgeklärt werden, weil sie sonst während der Proben eine zusätzliche Belastung darstellen können. Die Verantwortlichen für diese Bereiche müssen möglichst alle vor Beginn der Proben verpflichtet sein. Und dann muss natürlich als Wichtigstes das Ensemble zusammengestellt werden.


Diese Arbeitsweise ist typisch für Regisseur:innen, die im Staats- und Stadttheater arbeiten. Dramaturg:innen. Bühnenbildner:innen und Techniker:innen gehören zum Personal eines großen Hauses. Außerdem können Regisseur:innen in großen Häusern die Schauspieler:innen für ihre Inszenierung unter den Ensemblemitgliedern des Theaters auswählen kann. Es gibt im Staats- und Stadttheater Angestellte, die sich um alles Mögliche kümmern, so dass sich Regisseur:innen von Anfang an auf ihre Inszenierung konzentrieren können.

Projektleiter:innen als Unterstützung

In der freien Szene kommen auf die Regie meistens zusätzliche Organisationsaufgaben zu, falls das Projekt keine Projektleiter:innen hat, die die organisatorischen Aufgaben übernehmen. Das fängt bei der Sponsorensuche für das Projekt an und geht weiter mit der Frage nach dem Probenraum, nach dem Aufführungsort, der Konzeption des Bühnenbilds, dem Bau von Requisiten und Bühnendekorationen bis hin zur PR. Deshalb ist es auch gerade in der freien Szene wichtig, dass Projektleiter:innen diese organisatorischen Aufgaben übernehmen und der Regie den Rücken freihält. So dass sie sich voll und ganz auf die Inszenierung konzentrieren kann. Leider ist das oft nicht der Fall.

Woher weiß ich, das ich Potential als Regisseur:in habe?

Wenn du ein Theaterstück liest und dabei Bilder und Ideen in den Kopf kommen, wie diese oder jene Textstelle auf einer Bühne oder in einem Film realisiert werden könnte, dann hast du schon mal eine Grundvoraussetzung für den Beruf als Regisseur:in.
Wer Interesse hat, sollte auf jeden Fall eine Hospitanz oder noch besser mehrere Hospitanzen an Theatern machen. Möglichst bei verschiedenen Regisseur:innen und an unterschiedlichen Theatern. So lernt man diverse Regiestile kennen, aber auch differente Arbeitsweisen an den Häusern. Eine Hospitanz bei einem Theater der freien Szene sollte auch dabei sein, weil dort ganz anders gearbeitet wird, als bei den etablierten Staats- und Stadttheatern.

Workshop Geschlossene Gesellschaft - Franz Eggstein im Gespräch mit Joris Immenhauser


Falls sich die Gelegenheit ergibt, sollte man durchaus eine Regieassistenz für ein Projekt in Erwägung ziehen. Als Regieassistent:in bist du von Anfang an in die Überlegungen der Regie zur Inszenierung mit eingebunden und bekommst den Entstehungsprozess eines Theaterstückes vom Beginn bis zur Premiere mit. Allerdings ist es nicht ganz einfach, eine Stelle zu finden. Falls es möglich ist, im Umkreis seines Lebensbereiches – also an der Schule, an Freizeitstätten etc. – eine Regiearbeit mit Theaterbegeisterten zu machen, hilft auch das bei der Suche nach dem eigenen Potenzial als Regisseur:in. Dabei sollte allerdings beachtet werden, dass man nicht als erste Regiearbeit ein Zweistundenstück mit vielen Rollen in Angriff nimmt, sondern sich eher an kleinen Stücken, wie z.B. Minidramen oder kurzen Einaktern mit wenigen Rollen versucht. Denn sonst kann eine solche Arbeit leicht zu einer Überforderung werden und anstatt die Lust auf den Regieberuf zu wecken, ist dann das Gegenteil der Fall.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert