Die Zofen

„Die Zofen sind Ungeheuer wie wir selber, wenn wir dieses oder jenes träumen“, schrieb Jean Genet über seine beiden Schöpfungen Claire und Solange.

Genet, der wegen wiederholten Diebstahls – vor allem von Büchern – Landstreicherei und Desertion von 1937 bis 1943 dreizehnmal inhaftiert war, beginnt im Gefängnis „aus Langeweile“ zu schreiben.

Der Doppelmord der Schwestern Lea und Christine Pagin an ihrer Dienstherrin und deren Tochter 1932 in Le Mans diente Genet als Vorbild für die „Zofen“. Die beiden Bediensteten der „gnädigen Frau“ Claire und Solange spielen in ihrer Abwesenheit ein absurdes Spiel. Claire verkleidet sich als gnädige Frau und wird von Solange, die Claire spielt, bedient. Beide Schwestern sind sich symbiotisch in Hassliebe verbunden. Realität und Fantasie verschwimmen, die Wände der Wohnung sind die Grenzen ihrer Welt. Das Spiel hat den immer gleichen Inhalt: Die Zofe Claire wird am Ende des Spiels die gnädige Frau ermorden. Dieser Gedanke beflügelt die Fantasie der beiden, gibt dem Spiel den Kick und dem Hass das Ziel. Doch jedesmal wenn das Spiel bis zu diesem Punkt voran geschritten ist, wird es abrupt beendet. Der Wecker klingelt, Madame wird bald zurückkehren und die Zofen räumen auf, so dass niemand von ihrem Spiel erfährt.

Claire hat in einem Brief den Geliebten von Madame diffamiert und ins Gefängnis gebracht. Die Vorstellung, dass die gnädige Frau aus Liebe ihn in die Strafkolonie nach Guyana begleitet, beflügelt die Fantasie der beiden, lässt ihren Hass aufeinander kulminieren und ihre Fantasie die kühnsten Salti schlagen. Alles bricht zusammen, als der gnädige Herr aus dem Gefängnis entlassen wird. Die Handschrift wird entschlüsselt, die Zofen überführt werden. Aufstellung zum Endspiel!

Genet beschreibt zwei Menschen, die sich quälen und lieben, die nicht voneinander lassen, die nicht ohne einander sein können. Er beschreibt, wie Menschen sich in sich selber einsperren, wie sie nicht den Mut finden den Schritt in die Freiheit zu wagen, obwohl sie es könnten. Er beschreibt auch, das sich Verlieren in einer Fantasiewelt, in der die reale „Madame“ zu einem surrealistischen Monster mutiert, dessen Ermordung die scheinbar einzige Lösung ist.

Darsteller: Laure Achouline-Cousin (Solange) / Nora Meyer (Claire) / Julia Müller (Madame)

Regie: Franz Eggstein

Technische Leitung: Lars Grochla


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