Autor: Andreas

  • Faust. Der Tragödie erster Teil.

    Faust. Der Tragödie erster Teil.

    GRETCHEN, HALBWAISIN UND ARBEITERIN AUS KLEINBÜRGERLICHEN VERHÄLTNISSEN.

    Praktisch noch ein Kind ist Gretchen schon zu genüge mit Leid und Entbehrung vertraut. Mitten in ihre eintönige Existenz tritt eines Tages ein geheimnisvoller Fremder auf: Dr. Heinrich Faust. Umworben und beschenkt, lässt sich Gretchen auf eine heimliche Affäre mit dem Gelehrten ein. Zum ersten Mal halten Liebe und Hoffnung in ihrem Leben Einzug. Doch sie kann nicht wissen, dass sie in ein finsteres Spiel zwischen Faust und seinem unheimlichen Diener, Mephisto, hineingezogen wird…

    DAS EPOCHALE DRAMA VON JOHANN WOLFGANG VON GOETHE

    Johann Wolfgang von Goethes Faust ist ein epochales Drama über die tragischen Schwächen und die düstersten Abgründe des Menschen. Goethe war durch ein Puppenspiel seit seiner Kindheit mit der spätmittelalterlichen Legende um Dr. Faustus und seinen Pakt mit dem Teufel vertraut und von ihr fasziniert.

    Die Arbeit an seinem eigenen Faust begann er im Jahr 1770, noch als Jurastudent in Straßburg. Diese erste Fassung, heute als Urfaust bekannt, blieb zunächst ein lückenhaftes Fragment.

    Dustin Lange und Steffen Thiel während der Probe.

    Die Arbeit an seinem eigenen Faust begann er im Jahr 1770, noch als Jurastudent in Straßburg. Diese erste Fassung, heute als Urfaust bekannt, blieb zunächst ein lückenhaftes Fragment. Erst 1808, als Goethe bereits ein europaweit gefeierter Dichter und Schriftsteller war, kam es zur Veröffentlichung des Faust I. Die Fertigstellung des wesentlich umfangreicheren zweiten Teils sollte noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Wenige Monate vor seinem Tod im Jahre 1832 gelangte sein lebenslanges Werk zur Vollendung.

    Instagram

    @faust.unibremen

    Steffen Thiel als Faust.
    Faust und Mephistopheles (Jasmin Pieper) schließen einen Pakt.
    Steffen Thiel und Jasmin Pieper.
    Dustin Lange und Jasmin Pieper.
    Schussszene auf der Bühne (Dustin Lange mit Paul Hagedorn).
    Valentin (Dustin Lange) liegt sterbend in Gretchens (Ash Seekamp) Arme.
    Mephistopheles und Gretchen auf der Bühne.

    DIE ARBEIT AN „FAUST“

    Die Arbeit an der Inszenierung begann ursprünglich als Teil des regulären jährlichen Theaterprojekts an der Uni Bremen in Kooperation mit Theater inCognito und sollte eigentlich schon im Spätsommer aufgeführt werden, verzögerte sich jedoch aufgrund notwendiger Umbesetzungen und Umstrukturierungen mehrfach. Vor und hinter der Bühne wird das Stück vollständig von Studierenden der Uni Bremen, vor allem aus den geistes- und medienwissenschaftlichen, aber auch aus den naturwissenschaftlichen Bereichen, gestaltet. Intention war es, das Format der klassischen „Faust“-Inszenierungen aufzubrechen, in denen Faust zumeist als tragischer Held stilisiert wird. Ziel dieser Version ist es, die moralisch fragwürdigen und negativen Aspekte des Protagonisten hervorzuheben und den Fokus stärker auf jene zu verschieben, die unter seinen egozentrischen Handlungen zu leiden haben, allen voran Gretchen.


    DARSTELLER:INNEN

    Genia Frei (Mephistopheles; Lieschen; Böser Geist)
    Paul Hagedorn(Faust; Schüler)
    Lucas Jahn (Mephistopheles)
    Anılcan Karabulut (Faust)
    Liv Killing (Siebel)
    Dustin Lange (Gott; Erdgeist; Brandner; Valentin)
    Lilith Mauer(Der Alte; Marthe Schwerdtlein)
    Jasmin Pieper (Mephistopheles)

    Ash Seekamp (Gretchen; Erzengel)
    Steffen Thiel (Faust)
    Carolina Toaspern (Frosch)

    SOUND

    Lucas Jahn 

    LICHT

    Charlotte Schmitz-Salue

    REQUISITEN

    Johannes Mock

    BÜHNENBILD

    Charlotte Schmitz-Salue

    GRAFIKDESIGN; PR

    Charlotte Schmitz-Salue

    REGIE

    Paul Hagedorn

    PROJEKTLEITUNG

    Franz Eggstein


  • „Das brennende Dorf“ von Rainer Werner Fassbinder

    „Das brennende Dorf“ von Rainer Werner Fassbinder

    DAS BRENNENDE DORF – EINE BEARBEITUNG DES DRAMAS „FUENTE OVEJUNA“.

    In seiner Bearbeitung greift Rainer Werner Fassbinder das Drama von Lope de Vega aus dem 17. Jahrhundert rund um die historischen Ereignisse eines spanischen Dorfes in Kastilien (1476) auf. Es leidet unter der Willkürherrschaft eines grausamen Kommandanten. Schließlich eskaliert die angespannte Lage, als die Bevölkerung den Kommandanten ermordet.

    Das Ensemble in einer der Schlüsselszenen auf der Bühne.

    EINE DORFGEMEINSCHAFT BEGEHRT AUF

    In einer beeindruckenden Solidaritätsaktion erklärt sich die gesamte Dorfgemeinschaft gegenüber dem König als Täter. Der König, beeindruckt von diesem außergewöhnlichen Zusammenhalt und der mutigen Tat, spricht eine allgemeine Begnadigung aus. Doch als die Dorfbewohner schließlich die tatsächlichen Täter preisgeben, ordnet der spanische Hof die kollektive Hinrichtung aller Dorfbewohner an.

    Diese Entscheidung führt zwangsläufig zur Revolution und mündet in einen dramatischen Akt des Widerstandes, aus dem das Volk als Held hervorgeht.

    Galerie

    Szene aus "Das brennende Dorf".
    Szene aus der Aufführung - Schauspieler verschränkt Arme vor dem Körper.
    Fabian Kleinert als Bauer.
    "Das brennende Dorf" - Szene einer Hochzeit.
    "Das brennende Dorf" - Szene des Hofstaates.
    Ari Yussef als Commandor.
    Zwei Personen in historischer Kleidung auf einer Theaterbühne, eine sitzt, der andere liegt mit dem Kopf in ihrem Schoß.

    DAS VOLK ALS HELD

    Fassbinder interpretiert das klassische Drama neu und betont die Macht des kollektiven Widerstands und die Bedeutung von Solidarität im Angesicht der Unterdrückung. Sein Werk stellt die Frage nach der Legitimität des Tyrannenmordes und thematisiert die Konsequenzen einer solchen radikalen Tat. „Das brennende Dorf“ bleibt somit eine eindrucksvolle Reflexion über Gerechtigkeit, Macht und den unbezwingbaren Willen eines Volkes zur Freiheit.


    DARSTELLER:INNEN

    Tiba Abdulkareem (Jacinta; Don Manrice)
    Dilara Akkaya (Esteban)
    Isil Capraz (Die Königin Isabella)
    Lisa Hilbers (Pasquala)
    Amy Hubach (Juan Rojo; Arran)
    Anil Karabulut (Flores; Bauer; Bote)
    Fabian Kleinert (Bauer; Leonello, Diener des Großmeisters)
    Lea Lüthje (Ortunio)
    Fynn Murken (Frondoso)
    Jennifer Nüchter (Mengo; Cimbranos)
    Amitis Rahimi (Libella; Barrildo)

    Anneke Schmidt (Laurentia)
    Demet Sevindik (Großmeister)
    Jakob Snoink (Der König Don Fernando)
    Roxana Volk (Alonso; Maria)
    Ari Yussef (Commandor)

    MUSIKALISCHE LEITUNG

    Fynn Murken

    TECHNIK

    Fynn Murken

    BÜHNENBILD LEITUNG

    Christine Kleine

    BÜHNENBILD UMSETZUNG

    Lea Lüthje, Jennifer Nüchter, Arri Yussef

    PR & GRAFIKDESIGN

    Andreas Scharfenort

    REGIE

    Franz Eggstein, Roland Klahr


  • Kreativität in den Zeiten des verplanten Lebens

    Kreativität in den Zeiten des verplanten Lebens

    Franz Eggstein über den Umgang mit Zeit und Kreativität im Theater und unserer Gesellschaft.

    Zwei Beobachtungen aus den Theaterseminaren liegen den folgenden Überlegungen zur Kreativität zugrunde.

    1. Es ist mittlerweile schwieriger, einen Probentermin mit vier oder fünf Studierenden abzusprechen, als das mit meinen Vorstandskollegen eines mittelständischen Unternehmens der Fall ist.
    2. Es gibt seit ca. 6 – 7 Jahren Anzeichen dafür, dass die Kreativität vieler Teilnehmer:innen unserer Theaterseminare bei den Proben zurückgeht.

    Bevor ich diesen Fragen weiter nachgehe, im Folgenden einige Thesen, welche Voraussetzungen notwendig sind, damit eine kreative Situation überhaupt entstehen kann:

    Der Plan ist der Tod der Kreativität, Chaos ist die Mutter der Kreativität.

    Um kreativ sein zu können, braucht man ein Übermaß an nicht verplanter Zeit.

    Man kann die beste Technik haben; um wirklich schöpferisch zu sein, braucht es das Überraschende, das Unerwartete, das nicht Vorhersehbare.
    Konstantin Sergejewitsch Stanislawski

    Ein vollgefressener Magen verdaut schlecht, ein vollgestopftes Gehirn schaltet auf Notbetrieb und ist nicht mehr kreativ.

    Alle folgenden Ausführungen beziehen sich auf die Kunstform Theater. Andere Kunstformen habe ich in die Betrachtungen nicht mit einbezogen.

    CHAOS IST DIE MUTTER DER KREATIVITÄT

    Zu Punkt 1: Dass Chaos die Mutter der Kreativität ist, bedeutet, dass man erstmal im eigenen Kopf das Chaos zulassen muss, damit Gedanken in alle möglichen Richtungen gehen können und sich aus dieser Vielzahl von gedanklichen Möglichkeiten Ideen entwickeln. Selbst die verrücktesten Ideen, die einem im Kopf herumgeistern, sollten nicht unterdrückt werden, nur weil sie nicht ins Konzept passen. Denn daraus kann Großes entstehen!

    Erst wenn Ideen entstanden sind, die man verfolgen und vertiefen möchte, tritt der Plan ans Licht. Er wird gebraucht, um die Ideen in die Realität umzusetzen. Zum Beispiel um sie konkret in die Konzeption eines Theaterstücks oder einer Rolleninterpretation zu übertragen.

    Sich von vorneherein auf einen Plan festzulegen heißt, die Fülle der eigenen Kreativität von Anfang an zu begrenzen. Dann kommen oft Lösungen heraus, die man so oder so ähnlich schon gesehen hat und die gähnend langweilig sein können.

    SCHÖPFERGEIST BRAUCHT SEINE ZEIT

    Zu Punkt 2: In einem von Beginn an festgelegten Zeitrahmen kreativ sein zu wollen, ist schwer möglich. Schriftsteller arbeiten zwar oft nach einem Zeitplan, in dem sie z.B. um 10 Uhr morgens anfangen zu schreiben. Nur wird kein Schriftsteller mit dem Schreiben aufhören, wenn es gut läuft. Dann arbeiten sie so lange weiter, bis sie erschöpft sind, bis Körper und Geist ihnen signalisieren, dass jetzt nichts mehr geht.

    Ähnlich verhält es sich bei den Theaterproben. Natürlich gibt es einen Zeitrahmen, in dem wir zum Beispiel festlegen, wir fangen um 14 Uhr an und proben dann bis mindestens 18 Uhr. Nur hören wir um 18 Uhr auf, wenn die Probe dann gerade gut läuft? Sollen wir die Muse des Theaters, wenn diese erst um 17 Uhr um die Ecke biegt, um 18 Uhr wieder vor die Tür setzen? Kann man kreatives Arbeiten in einen Zeitrahmen pressen? Ich sage, NEIN.

    EIN BEISPIEL AUS EINER PROBE ZU „LIV STEIN“

    Dabei ging es um eine etwa 15-minütige Szene zwischen Liv Stein und ihrem Ex-Mann Emil. Probenbeginn war um 14 Uhr an einem Samstag. Wir probierten in den Proben die unterschiedlichsten Konstellationen zwischen den beiden aus, aber irgendetwas fehlte immer. Die Szene lief einfach nicht gut!

    Zwischendurch machten wir Pausen, tranken Tee, aßen Kuchen und redeten über die Szene. Wir hatten an dem Tag kein Zeitlimit und irgendwann, um Mitternacht herum, als wir den letzten Versuch starteten, aus der Szene etwas Brauchbares zu entwickeln, lief sie plötzlich und war so gut, dass wir die szenische Anlage so, ohne weitere Nacharbeit, für die Schlussproben übernehmen konnten. Gegen zwei Uhr morgens kamen wir aus dem Theatersaal, hatten aber eine der schwierigsten Szenen des Stückes gemeistert.

    Laure Achouline-Cousin (Liv Stein) und Marius Roskamp (Emil Stein) bei der Probe.

    Das ist sicher ein extremes Beispiel und nicht unbedingt für alle Proben anwendbar. Ich will damit aufzeigen, dass man, ohne sich von vornherein auf ein Zeitlimit zu begrenzen, die Möglichkeit schafft, in einen kreativen „Flow“ zu kommen, der ganz unerwartete Ergebnisse hervorbringen kann.

    Dieser kreative „Flow“ ist das Herzstück der Proben, wenn es plötzlich ganz von alleine läuft, wenn einfach drauflos gespielt wird, ohne dauernde Unterbrechungen und wenn dann auch noch was Tolles dabei herauskommt.
    Dieser kreative „Flow“ entsteht aber in der Regel nur dann, wenn es kein Zeitlimit gibt, wenn jeder in seinem eigenen Kopf den Organizer abschalten kann.

    WIE VIEL SPONTANITÄT LASSEN WIR IN UNSEREM LEBEN ZU?

    Zu Punkt 3: Jede/r, die/der diesen Text liest, kann sich selber folgendes fragen: Wenn jemand, den ihr kennt, euch an einem schönen Tag spontan fragt, ob ihr nicht Lust habt, jetzt, sofort, an die Nordsee zu fahren, weil der Tag doch so schön ist und man ihn genießen sollte, sagt ihr dann spontan zu und kommt mit? Oder zieht nicht jede/r ihr/sein Handy heraus, klickt auf den Kalender und hat dann tausend Termine, so dass aus der spontanen Aktion nichts wird? Diese Frage möge jede/r für sich selbst beantworten.

    Ich greife das Zitat von Stanislawski wieder auf. Spontanität heißt im Theater, dass man auch mal was Ungewöhnliches macht, etwas Verrücktes, etwas, mit dem niemand gerechnet hat. Eine Handlung, die nicht dem Mainstream entspricht oder sogar gegen den Mainstream ist. Das Unerwartete setzt bei den Teilnehmer:innen einer Probe einen kreativen Prozess in Gang, wenn man sich darauf einlässt. Einlassen bedeutet, mit den Mitteln des Schauspielens auf eine unerwartete Aktion zu reagieren.

    Also nicht, die Probensituation abzubrechen und darüber zu diskutieren, was gerade geschehen ist, sondern mitmachen, seinem eigenen Impuls folgen, selber verrückte Dinge machen. Es heißt, mit den anderen zu spielen und sich von der Situation mit- und fortreißen zu lassen. Dabei ohne Selbstkontrolle und Selbstzensur. Den Zensor, den viele im Kopf mit sich herumtragen, sollte man sowieso vor die Tür setzen. Sonst ist man zu so einer Aktion, die äußerst kreativ sein kann, nicht fähig.

    WER VERPLANT IST, IST GEHEMMT

    Verplant zu sein, bedeutet letztendlich auch, zu keiner spontanen Aktion mehr fähig zu sein. Spontanität ist nicht planbar und wer im Leben dauernd nach seinem Plan handelt und vorgeht, wird die Fähigkeit zur spontanen Handlung verlieren. Sie hat eben auch immer etwas Anarchisches und das ist in unserer Gesellschaft als unerwartete Handlung nicht erwünscht. Spontanität selbst soll eine planbare Handlung sein, die in der oder der Situation angewendet werden kann. Aber wahre Spontanität und Plan schließen sich aus, weil bei der geplanten Spontanität das anarchische Element fehlt.

    Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie Menschen, deren Leben verplant ist oder die ihr Leben verplanen, plötzlich ad hoc auf dem Theater spontan und damit schöpferisch handeln sollen? Kann man den Freiraum der Bühne wirklich für sich nutzen, wenn der Plan bereits im Kopf manifest und Teil des eigenen Lebens ist?

    Theaterregisseur Franz Eggstein.

    Bei unseren studentischen Teilnehmer:innen habe ich oft das Gefühl, dass verplant zu sein, chic ist. Wer immer beschäftigt ist, immer verplant, der ist offenbar interessant, weil sie oder er entweder ganz viel macht oder ganz viele Menschen mit ihr oder ihm zu tun haben wollen. Es ist offenbar ein Zeichen unserer Gesellschaft, dass die Wichtigkeit der eigenen Person auch durch die Verplantheit der eigenen Zeit gegenüber anderen signalisiert wird.

    Je verplanter ich bin, desto wichtiger bin ich. Für sich ein Übermaß an Zeit zu haben, also den Raum für die eigene Kreativität zu schaffen, ist in diesem verplanten Leben nicht vorgesehen. Wenn man kreativ sein muss, dann bemüht man sich eben das Netz, um dort etwas zu finden. Schließlich suggeriert BIG DATA:

    „Ihr habt ein Problem, wir haben die Lösung.“

    Und zwar auf alles und jedes: Nur, so eine klitzekleine Frage, haben die Silicon-Valley-Monopolisten auch für das Problem des Hungers in der Welt, oder die Armuts-Reichtums-Schere eine Lösung?

    EIN VOLLGEFRESSENER MAGEN MACHT TRÄGE

    Zu Punkt 4: Ich habe mich mal intensiv mit einem Neurologen unterhalten. Dieser brachte das Beispiel, dass ein vollgefressener Magen einem nicht nur Probleme verursacht, sondern so träge macht, dass man nicht mehr imstande ist, etwas zu tun. So sei es auch mit unserem Gehirn, wenn man es dauernd mit einer Information nach der anderen vollstopft. Unser Gehirn ist eigentlich ein „Steinzeitgehirn“. Wir sind nur in der Lage, eine Sache wirklich gut zu machen, und um sie gut zu machen, muss man sich auf diese eine Sache konzentrieren. Vor allem wenn es sich – wie beim Theater – um eine kreative Arbeit handelt. Ein vollgestopftes Gehirn schaltet auf Notbetrieb und ruft die Dinge ab, die es kennt. Etwas schöpferisch Neues kann so nicht entstehen. In so einem Fall kommt nichts anderes bei der Arbeit heraus, als bekannte Dinge.

    Nur wenn das Hirn nicht überlastet ist, kann es Neues entwickeln und schöpferisch tätig werden. Fürs Theater bedeutet das, dass man den Freiraum der Proben nutzen muss, dass man sich für die Zeit der Proben um nichts anderes kümmert, als mit Geist, Seele und Körper ganz und gar da zu sein.

    Franz Eggstein während der Proben zu "Die Troerinnen" im Sommer 2021.
    FAZIT ODER ZURÜCK AN DEN ANFANG

    Zurück zu den eingangs gestellten Fragen.

    TERMINABSPRACHEN

    Natürlich ist es so, dass auch Studierende heute eine Menge Termine haben. Jede/r sollte sich aber fragen, welche Termine sehr wichtig sind, welche weniger wichtig sind und wie viel Zeit die sehr wichtigen Termine in Anspruch nehmen. Wer Theater machen will, muss sich darüber im Klaren sein, dass Theater eine aufwendige Kunstform ist, für die man viel Zeit benötigt. Vor allem, wenn man als Schauspielerin oder Schauspieler aktiv ist. Es geht dabei nicht nur um die Anwesenheit bei den Proben. Wer immer eine Rolle spielen möchte, muss den Text zuhause lernen und sich Gedanken machen, wie sie/er die Rolle anlegt. Je größer die Rolle ist, desto mehr Zeit nimmt sie in Anspruch. Und dann kommen die Proben dazu.

    Bei meiner letzten Regiearbeit probten wir zweimal die Woche von Mitte Januar bis Mitte April. Dann kamen die Gesamt- und Endproben, so dass zweimal die Woche nicht ausreichte. In der Endphase waren es dann vier- bis fünf Proben pro Woche. Mit so einem Zeitaufwand muss jede/r rechnen, der Theater spielen möchte.

    DREI BIS VIER MONATE EINPLANEN

    Man sollte deshalb für ein Theaterprojekt diesen Zeitaufwand über drei bis vier Monate einplanen und in dieser Zeit bei anderen Dingen zurückstecken. Nur so geht es. Nur so kann man Termine mit mehreren Personen absprechen. Wenn es nicht gemacht wird, erleben wir das, was wir in letzter Zeit sehr häufig erlebt haben: Terminabsprachen mit mehreren Schauspieler:innen sind nicht möglich. Und dass daran letzten Endes ein Projekt scheitert.
    Das heißt aber auch für jeden Einzelnen, dass man bei seinen individuellen Vorlieben Kompromisse eingeht.

    Man kann nicht erwarten, dass die anderen Kompromisse machen, während man für sich selber in Anspruch nimmt, dass alles so wichtig ist, dass man keine Kompromisse eingehen kann. So ist ein gemeinsames Handeln nicht möglich. Theater ist eine Kollektivkunst und es bedarf eines solidarischen Handelns (ein Begriff, der aus der Mode gekommen ist!) um ein Projekt realisieren zu können. Einer unserer ehemaligen Schauspieler benutzte gern folgendes Beispiel:

    Das Ensemble bei den Proben zu "Geschlossene Gesellschaft".

    „Man kann auch eine Woche später noch zu Omas oder Opas Geburtstag fahren und mit ihnen feiern, wenn gerade ein wichtiger Probentermin ansteht. Das Theater geht in einem solchen Fall vor.“

    KREATIVITÄT

    Dazu habe ich mich in den Punkten 1 bis 4 schon ausgiebig geäußert. Allerdings wurde die Frage nicht beantwortet, wie man in Zeiten des verplanten Lebens trotzdem kreativ sein kann. Es ist eine schwierige Frage und eine Patentlösung dafür gibt es nicht. Im Folgenden sind einige Ideen, wie das trotz der „Diktatur“ des Terminkalenders möglich sein könnte.

    • Während der Proben ist das Handy nicht nur auf lautlos geschaltet, es wird für die Dauer der Proben überhaupt nicht aufs Handy geschaut. Auch nicht während der Probenpausen. Man sollte die Fähigkeit haben, sich für eine begrenzte Zeit vom Handy zu verabschieden und die Freiheit des „Nicht-Erreicht-Werden-Könnens“ zu genießen. Dadurch bleibt man in der Probensituation und steigt nicht zwischendrin mental immer wieder aus. Auch während einer Pause, wenn man z.B. etwas isst und trinkt, ist die Rolle so immer gegenwärtig. Man steigt aus seiner eigenen Rolle nie ganz aus.
    • Da keine Verbindung über das Handy zur Außenwelt besteht, können auch keine „störenden“ Impulse aus der Außenwelt in die Probensituation eindringen. Man schafft so für die Dauer der Probe den kreativen Raum, der für die Kunstform Theater notwendig ist.
    OPEN-END PROBE
    • Die Probe hat einen klaren Beginn, sollte aber generell als „open-end Probe“ angelegt sein. So bricht man nicht ab, wenn es gerade gut läuft, wenn eine Menge kreativer Ideen und Impulse da sind. So vermeidet man es, um das Bild wieder aufzunehmen, die Muse des Theaters vor die Tür zu setzen, wenn sie gerade anwesend ist.
    • Man sollte sich eine Auszeit vom verplanten Leben gönnen und den Freiraum der Bühne genießen, auf der alles erlaubt ist und auf der man alles machen darf und wenn es das anarchischste Treiben ist. Der französische Rapper MC Solaar (in Frankreich bekannt wie der bunte Hund) sagte mal:
    Franz Eggstein probt eine Szene zu "Das brennende Dorf".

    „Freiheit ist etwas für Rebellen und nichts für Spießer“

    Dann nehmen wir uns doch wenigstens für die Proben die Freiheit, Rebellen zu sein, zu dürfen.

  • Ein unglücklicher Zufall

    Ein unglücklicher Zufall

    EINE KOMÖDIE VON JAMES SAUNDERS

    Zufall oder Absicht? Ein Schuss fällt – doch was genau geschehen ist, bleibt zunächst verborgen. Camilla versucht zwar ihrer Freundin Penelope dieses Geheimnis zu entlocken, doch dann wird ihre Unterhaltung unerwartet von Camillas Ehemann Robert unterbrochen, der eigentlich nur seinen allabendlichen Kakao trinken will. War es ein unüberlegter Akt, eine gezielte Handlung, oder doch nur ein unglücklicher Zufall? Penelope verstrickt sich in immer komplexer werdende Ausreden und ein Katz-und-Maus-Spiel um die Wahrheit beginnt.

    Anna-Lea Mackrodt (Camilla) und Lilian Kiefel (Penelope) stoßen mit Gin an.

    EMANZIPATION AUS GESELLSCHAFTLICHEN KONVENTIONEN

    Saunders‘ Einakter wirft grundlegende Fragen nach freiem Willen und der Verantwortung menschlichen Handelns auf. Das Stück untersucht, wie zwischenmenschliche Beziehungen und gesellschaftliche Konventionen unser Handeln prägen. Die Inszenierung spielt Anfang der 1960er Jahre, in der die Ehemänner zufrieden in Tradition und Routine leben, während sich die beiden Ehefrauen ein kleines bisschen mehr Drama in ihrem Leben ersehnen.

    Galerie

    Das Ensemble von "Ein unglücklicher Zufall".
    Andreas Scharfenort (Robert) und Lilian Kiefel (Penelope) auf der Bühne.
    Anna-Lea Mackrodt als Camilla in "Ein unglücklicher Zufall".
    Das Ensemble von "Ein unglücklicher Zufall" mit dem Regisseur Maic Wrehde.
    Andreas Scharfenort (Robert) mit einer Zeitung auf der Bühne.
    Anna-Lea Mackrodt (Camilla) und Lilian Kiefel (Penelope) auf der Bühne.
    Andreas Scharfenort (Robert) und Anna-Lea Mackrodt (Camilla) sitzen auf einem Sofa, Lilian Kiefel (Penelope) steht im Hintergrund.

    EIN GEMEINSAMES PROJEKT

    Nach mehreren gemeinsamen Projekten, haben sich Anna-Lea, Andreas, Maic und Lilian zusammengetan, um ein Theaterstück auf die Bühne bringen. Maic übernimmt die Regie, während die anderen drei die Figuren zum Leben erwecken. Die Komödie zeigt die Emanzipation der weiblichen Hauptrollen aus ihrer festgefahrenen Lebenssituation. Dabei wollen die vier das Publikum zum Lachen bringen und zum Nachdenken anregen.


    DARSTELLER:INNEN

    Lilian Kiefel (Penelope)
    Anna-Lea Mackrodt (Camilla)
    Andreas Scharfenort (Robert)

    KOSTÜME & REQUISITEN

    Anna-Lea Mackrodt

    BÜHNENBILD

    Lilian Kiefel, Anna-Lea Mackrodt, Andreas Scharfenort, Maic Wrehde

    PR & PRESSEARBEIT

    Andreas Scharfenort, Maic Wrehde

    SOUND & VIDEO

    Maic Wrehde

    REGIE

    Maic Wrehde


  • Tứ Phủ – Vietnamesische Kultur in Bremen

    Tứ Phủ – Vietnamesische Kultur in Bremen

    TỨ PHỦ – SPIRITUELLE REISE AUF DER BÜHNE

    Mit Tứ Phủ bringt die vietnamesische Kulturschaffende Hà Phương Nguyễn eine der heiligsten religiösen Ausdrucksformen Vietnams in Bremen auf die Bühne. Vietnam ist reich an immateriellem Kulturerbe, darunter das Hầu Đồng-Ritual und die musikalische Kunst des Hát Chầu Văn. Sie prägen das kulturelle Bewusstsein Vietnams. Beide sind Teil von Đạo Mẫu, einem Glaubenssystem, das Muttergottheiten verehrt und eine lebendige Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart schlägt.

    Hà Phương Nguyễn zeigt mit Tứ Phủ vietnamesische Kultur in Bremen.

    Hà Phương Nguyễn entführt euch in eine Welt voller Rituale, Musik und spiritueller Transformation. Eine einzigartige Verbindung aus Theater und Tradition, die ihr erstmals in Deutschland auf einer Bühne bewundern könnt.

    ĐẠO MẪU: DIE VEREHRUNG DER MUTTERGOTTHEITEN

    Đạo Mẫu, verehrt das Weibliche und stellt eine tiefe Verbindung zwischen Menschen und Natur her. Im Zentrum steht das Ritual Hầu Đồng, bei dem ein Medium Geister empfängt und ihre Botschaften übermittelt. Begleitet wird es von Hát Chầu Văn, einer ergreifenden Musikform, die eine heilige Atmosphäre schafft. Diese Tradition wurde 2016 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt.

    Galerie

    Hà Phương Nguyễn in grünem Kostüm und mit Fächer auf der Bühne.
    Hà Phương Nguyễn sitzt in traditionellem roten Kostüm auf der Bühne und hält ein rotes Samttuch in den Händen.
    Hà Phương Nguyễn trägt ein traditionelles weißes Kostüm. Sie hält einen Fächer vor ihr Gesicht.
    Tứ Phủ – Vietnamesische Kultur - Hà Phương Nguyễn führt das Ritual durch.
    Hà Phương Nguyễn trägt ein rotes Kostüm und einen dazu passenden roten Fächer.
    Hà Phương Nguyễn in grünem Kostüm. Sie zeigt Tứ Phủ – Vietnamesische Kultur.
    Hà Phương Nguyễn zeigt einen Fächer-Tanz.

    HÀ PHƯƠNG NGUYỂNS KÜNSTLERISCHE VISION

    Für Hà Phương Nguyễn ist Tứ Phủ eine Reise zurück zu ihren eigenen Wurzeln. Als Medium führt sie das Publikum durch eine spirituelle Welt, in der die Grenzen zwischen Göttern und Menschen verschwimmen. Tanz, Theater und Performance verschmelzen miteinander. Jede Bewegung, jede Stimme, jede Verwandlung erzählt eine Geschichte und bringt eine uralte Tradition auf die Bühne. Dabei wird Tứ Phủ zu einer Brücke zwischen Kulturen – zwischen dem Vertrauten und dem Fremden, dem Persönlichen und dem Universellen.

    EINE EINLADUNG ZUR BEGEGNUNG MIT DEM HEILIGEN

    Tứ Phủ ist mehr als nur eine Aufführung – es ist eine immersive Erfahrung. Es verbindet Vergangenheit und Gegenwart, Theater und Ritual, Kunst und Spiritualität. Ob aus Neugier an fremden Kulturen oder aus dem Wunsch, etwas Außergewöhnliches zu erleben – dieses Stück öffnet eine Tür zu einer Welt, in der Mensch und Göttliches in Harmonie existieren.

  • HỘI – Der vietnamesische Kulturabend

    HỘI – Der vietnamesische Kulturabend

    MOIN!

    Schön, dass du da bist und dich für den vietnamesischen Kulturabend interessierst.

    Wir, die junge Generation aus Vietnam, laden dich herzlich zu einer exotischen und freundlichen Veranstaltung ein. Dein Ticket zum vietnamesischen Kulturabend ist der Schlüssel, der die Tür zu einem südostasiatischen Land, nämlich unserem Vietnam, öffnet.

    WAS BEDEUTET „HỘI“?

    Fragst du dich, was „Hội“ bedeutet? Keine Sorge, wir erklären es dir. „Hội“ ist nicht nur der Name der Veranstaltung, sondern auch das Schlüsselwort, das unseren Spirit ausdrückt. Im Vietnamesischen hat „Hội“ viele verschiedene Bedeutungen.

    Im Kern steht es jedoch für gemeinsames Zusammensein und Festlichkeit und bildet einen wichtigen Bestandteil des Begriffs „Integration“ auf Vietnamesisch. Genau diese Stimmung wollen wir mit unserer Show vermitteln.


    Alles beginnt mit einer szenischen Darstellung der mythologischen Geschichte „Kinder des Drachens und der Fee“, die die Entstehung des vietnamesischen Volkes aus der zufälligen Begegnung zwischen dem Vater Lac Long Quân – einem Wasserdrachen – und der Mutter Âu Cơ – eine Fee, göttlichen Wesens – erzählt. Gemeinsam schufen sie ein Leben und brachten 100 Nachkommen zur Welt, bevor sie sich schließlich trennten.

    Tänzerinnen auf der Bühne inszenieren „Kinder des Drachens und der Fee“.

    Anschließend folgt ein Theaterstück einer jungen vietnamesischen Autorin über das Leben vietnamesischer Frauen. Eine alte Nonne reflektiert über vergangene Leben – Leben aus Legenden und Realität, aus Fiktion und Nicht-Fiktion, aus alten und modernen Zeiten –

    in einem Gedankenstrom über das unvergängliche Schicksal, das Leiden, die Liebe und die Erleuchtung vietnamesischer Frauen. Maik Câys Werk „Träume der drei Leben“ ist eine zeitübergreifende Zusammenfassung über vietnamesische Frauen in verschiedenen Kontexten. Es zeichnet die Beziehung vietnamesischer Frauen zu ihrem Land, ihrer Familie und sich selbst nach und bietet gleichzeitig einen tiefen Einblick in die Rolle asiatischer Frauen in der Gesellschaft.

    Achtung! Der dritte Teil des Kulturabends ist ein vietnamesischer Unterricht. Spaß beiseite. Du kommst zum Spielen und zur Freude, daher möchten wir dich motivieren, an einer interaktiven Quiz-Show teilzunehmen, die die Vielfalt der Sprachen und Kulturen beleuchtet und das Publikum zum Mitmachen animiert.

    Abschließend präsentieren wir eine Modenschau, bei der traditionelle vietnamesische Kleidung in verschiedenen Facetten gezeigt wird, die unterschiedliche historische Phasen widerspiegeln.

    WIE LANGE DAUERT DIE VERANSTALTUNG?

    90 Minuten. Du fragst dich vielleicht: „Hmm, was ist, wenn ich Hunger bekomme?“ Keine Sorge, wir haben vorgesorgt. Ein Essensstand wird eingerichtet, damit du unsere köstlichen Spezialitäten aus verschiedenen Regionen des Landes probieren kannst.

    Unterstützt durch die Kulturförderung des Studierendenwerks Bremen