Das Stück gewährt einen Einblick in den Mikrokosmos einer Welt, in der viele praca-roosevelt_bild-05verschiedenen Biografien miteinander verknüpft sind. Die Praca Roosevelt, ein Platz in Sao Paulo, ist umgeben von einer Waffenfabrik, einer Bingohalle, einem Polizeirevier und dem Straßenstrich. Hier kommen Sie alle zusammen. Da ist Vito, der die  Waffenfabrik seines Vaters erbt, es aber nicht mit seinem Gewissen vereinbaren kann, dass seine Waffen Menschen töten. Da ist seine Sekretärin Concha, die sterbenskrank ist und dies ihrer besten Freundin Aurora beibringen muss. Da ist der Polizist Herr Mirador, der im Sumpf aus Drogen, Prostitution und gescheiterten Existenzen seinen Sohn sucht. All diese und viele weitere Figuren treffen hier zusammen. Wider ihrer Probleme genießen sie die kleinen Momente von Glück, denn die Freude am Leben ist ein zentrales Element des Theaterstücks. Das Stück zeigt, dass da, wo Gewalt zum Leben gehört, wo man zufälligerweise erschossen werden kann, weil man mit einem anderen verwechselt wurde, mehr den Augenblick lebt, den Moment genießt. Diese Kluft, zwischen extremer Gewalt und einer intensiven Bejahung des Lebens, ist einer der dramaturgischen Hauptstränge des Stückes, ein anderer die Suche nach Erlösung


img_3823

Die Intention der Inszenierung war, dass Leben in einer brutalen Megacity eines Schwellenlandes zu zeigen, in der die Spanne zwischen Reich und Arm immer weiter auseinanderklafft. Es zeigt die Folgen dieser sozialen Verwerfungen: Gewalt, Drogenhandel, Prostitution. Trotzdem versuchen alle Figuren, ihr „kleines“ Leben so gut wie möglich zu meistern. Ein Leben, das wir so aus keiner Stadt in Europa kennen, das aber Fakt vieler Schwellen- und Entwicklungsländer ist. Insofern ist die Praca Roosevelt prototypisch. Der Platz könnte auch in Lagos, Johannesburg oder irgendwo anders liegen. Die „Praca Roosevelt“ trägt viele Anteile eines postmodernen Theaters. Etwa ein Drittel des Stückes besteht aus Erzähltext, häufig nicht in einen Dialog eingebunden. Um den Verfremdungseffekt weiter zu steigern, wurde mit vielen Möglichkeiten des Regietheaters hantiert: Verdreifachung zweier Rollen, Videoeinspielungen, Tänze, Schattenspiel, gesprochener Text aus dem Off etc. Insgesamt ergab das den gewünschten Effekt, um die Regieideen umzusetzen.

Darsteller: Mirja Bialke (Frau Mirador; Susana; Tänzer) / Andreas Duczmal (Mann mit Koffer; Barkeeper) / Jens Duczmal (Ehemann am Fenster) / Tim Jakob (Herr Mirador; Schlächter; Tänzer) / Inken Janßen (Frau Mirador; Schlächter; Tänzer) / Vanessa Krèmer (Frau Mirador; Barkeeper) / Vladislav Mamedov (junger Mirador; Mann mit Elefantenkrankheit) / Nora Meyer (Bingo) / Thomas Ong (Mundo) / Katharina Paczkowski (Ehefrau am Fenster; Barkeeper; Tänzer) / Johanna Pockels (Doppelte Maria; Schlächter; Tänzer) / Karolin Rahder (Aurora) / Lidia Savluk (Bibi; Tänzer) / Andreas Scharfenort (Arbeitskollege; Gangsterboss „O Infinito“) / Dominic Stermann (Vito, der Waffenfabrikant) / Doreen Thannheiser (Concha, die Sekretärin) / Felix Wilmsen (Herr Mirador; Arbeitskollege)

Bühnenbild: Lars Grochla, Melanie Wichlein /Öffentlichkeitsarbeit: Karolin Bludau, Franz Eggstein, Lars Grochla / Technische Leitung: Lars Grochla / Choreographie: Nadja Braun / Regie: Franz Eggstein, Roland Klahr


Fotogalerie