Wellenbruch. Das Drehtagebuch (1)

Ich begleitete für Theater InCognito die Dreharbeiten des Kurzfilmes „Wellenbruch“ der Filmproduktion „Das Stattliche Baumhaus“. Das Filmkollektiv wurde 2015 von Marius Roskamp und Till Rahm in Bremen gegründet. Augenzwinkernd bezeichnen sie sich selbst als das einflussreichste Filmkollektiv im Bereich von Bremen Horn bis Bremen Neustadt. „Wellenbruch“ ist das zweite Filmprojekt nach dem ersten Kurzfilm „Nähe“, der 2015 entstand.

Alles begann an einem kalten Samstag im November. Ich war auf dem Weg nach Grasberg, einer kleinen Gemeinde etwa 20 Kilometer nordöstlich von Bremen. Mein Plan: Die Dreharbeiten des Kurzfilmes „Wellenbruch“ dokumentieren. Als Pendler bin ich lange Strecken gewohnt. Doch diese Fahrt fühlte sich selbst für mich an wie eine Reise bis an das andere Ende der Welt. Zugegeben, dass ist womöglich ein wenig übertrieben. Die über 40-minütige Busfahrt durch Lilienthal und die Vororte Bremens, vorbei an Feldern und Wiesen, ließ mir viel Zeit für eine Menge Gedanken. Was erwartet mich bei diesem Filmdreh? Wie wird das Team auf mich reagieren?

Bevor ich mich selbst in Panik versetzen konnte, hatte ich bereits mein Ziel erreicht: Eine Kreuzung in Grasberg. Von dort war es nur noch einen Katzensprung bis zum Drehort. Das alte Gebäude, einst das Gesindehaus eines Gutshofes, wirkte auf den ersten Blick wie ausgestorben. Doch ich wurde bereits erwartet: Eine Leiche öffnete mir die Tür. Zumindest sah Marius aus, als sei er erst vor wenigen Minuten aus den Grab auferstanden. Ein großes Kompliment an die Maskenbildnerin Fran. Ich wurde in den Raum geführt, in dem das Grauen seinen Lauf nahm. Die Crew, bestehend aus Regisseur Till, Kameramann Linus und Beleuchter Rainer, drehten eine alptraumhafte Szene mit Laure.

Der kleine Raum wäre für jeden Gruselfilm ideal gewesen. Eine schwer zu schließende kratzende Tür, schummriges Licht, stickige Luft und sterile weiße Wände. Und bis auf das Equipment, ein Paar Umzugskartons, einer Luftmatratze und einem Tablet PC war der Raum leer. Laure begrüßte mich in ihrem schwarzen Rollkragenpullover und hielt eine Flasche Wein in ihrer Hand, über deren Qualität sie sich später deutlich beschwerte. Wer bietet einer Französin auch billigen Fusel vom Discounter an?

Zum Glück hatte der Alkohol nur eine untergeordnete Rolle, daher war dieses Defizit verschmerzbar. Die Handlung spielte mit Traum und Realität, mir wurde schlagartig klar, wieso Marius so Tod aussah. Wie ein Zombie aus einem liebgewordenen Horrorfilm bewegte er sich auf die am Boden liegende Laure zu. Dann wurde es eklig. Ein Gemisch aus Wasser und Zucker sorgte für den nötigen Spezialeffekt, der sich am besten als schleimig bedrohliche Zärtlichkeit umschreiben lässt.

Meine anfänglichen Sorgen hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon längst in Luft aufgelöst. Die Atmosphäre am Set war sehr entspannt und ausgelassen. Ich hatte überhaupt keine Probleme, ausreichend Material für meinen Bericht zu sammeln. Und als wir nach der erledigten Arbeit gemeinsam Richtung Bremen fuhren, haben wir uns ausgelassen über Film und Theater unterhalten.

Der zweite Drehtag startete vor einem Golfplatz im Nirgendwo. Die Außendreharbeiten standen auf dem Plan. Mit dabei: Ein rotes Kleid und ein weißer Kleintransporter. Laure stand vor keiner leichten Aufgabe, denn sie musste bei bitterer Kälte im sommerlichen Outfit über einen Acker tänzeln, als wäre es das natürlichste auf der Welt. Für einen Außenstehenden mochte die Szenerie seltsam anmuten, insbesondere weil wir anderen in dicken Winteroutfits davor standen und zuguckten. Zum Glück halfen Rainer und Fran als persönliche Assistenten aus und reichten ihr in den Drehpausen Mantel sowie Heißgetränke. Wie sehr Laure fror war ihr sofort anzusehen, denn Schminke war dieses Mal kaum nötig. Die Szene war relativ schnell im Kasten und wir konnten zügig zur nächsten Location weiterziehen.

Der kleine Parkplatz befand sich direkt neben der vielbefahrenen Landstraße. Hier hatte der Kleintransporter seinen großen Auftritt. Laure spielte im wahrsten Sinne des Wortes die Fahrerin. Wir anderen hatten in dieser Szene wenig zu tun, standen am Wegesrand und konnten über die Fragen des Lebens sinnieren. Was machen wir mit dem angebrochenen Nachmittag? Und was zur Hölle trieb das Pärchen hinter dem Müllcontainer, dass gerade auf den Parkplatz gefahren war?
Letzte Frage bot eine Menge Raum für Spekulationen, wodurch die Zeit wie im Flug verging. Bereits nach zwei Stunden waren die Arbeiten auch schon wieder beendet und wir konnten mit der Straßenbahn Richtung Bremer Innenstadt aufbrechen.


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10 Kommentare

  1. Laure 18. März 2018

    Gott! Es fängt wue eine Blairwitch project Horror-Geschichte an!
    Seltsame Orte, nie-von-einem-menschlichen-Ohr-gehörte Namen wie Lilienthal; Krass-Berg…
    Ich bin so gespannt auf das, was danach kommt!

  2. Laure 18. März 2018

    klar XD das ist mit leichten änderungen aus dem wiki artikel zu staatliches bauhaus kopiert und nicht ernst gemeint

  3. Laure 18. März 2018

    Gott sei dank!

  4. Laure 18. März 2018

    Bei euch seltsames Volk taucht Humor immer so unerwartet auf, dass man ihn nicht mehr erkennt.

  5. Laure 18. März 2018

    Beschwerte! Ich!?

  6. Laure 18. März 2018

    Französin!? Ich?!

  7. Laure 18. März 2018

    „Schleimig bedrohliche Zärtlichkeit“/“Meine anfänglichen Sorgen hatten sich zu diesem Zeitpunkt schon längst in Luft aufgelöst“
    ……..

  8. Laure 18. März 2018

    Oh danke für den Kaffee ❤

  9. Laure 18. März 2018

    IM DREHBUCH STAND SCHWEIß!

  10. Marius 19. März 2018

    @Laure: ist das der komplette whatsapp verlauf von gestern in kommentarform? XD

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